Harmonie und Gesundheit der Wirbelsäule wird bestimmt durch die Ausgewogenheit von Mobilität und Stabilität.

Schmerzen sind der Ausdruck von Missverhältnissen und daraus resultierenden Reizzuständen. Sehnen, Kapseln und Bandansätze werden gereizt und melden Irritationen.

Folge ist schmerzbedingte Schonhaltung, Immobilität.

Längere Immobilität führt wiederum zum Muskelabbau, dies bedeutet weniger Schutz für Gelenke, sowohl im Bereich der Extremitäten wie auch der Wirbelsäule.

Durch Ruhigstellung können Irritationen beruhigt werden. Dies ist seit dem Altertum bekannt. Bis in die jüngste Zeit wurde mit starren Verbänden, Gips und starren Orthesen ruhiggestellt, um Schmerzen zu lindern und teilweise, um Heilung zu ermöglichen. Zum Teil bedeuteten panzerartige Ungetüme eine langwierige Tortur für die Patienten. Nicht nur erhebliche Muskelschwäche ist die Folge derartiger Behandlung, die Thrombose- und Emboliegefahr ist deutlich erhöht, es müssen mehr Medikamente verabreicht werden, die so versorgten Patienten werden lange „aus dem Verkehr gezogen“, was sich wiederum auf das Arbeitsleben wie das Privatleben ungünstig auswirkt.

Das Körpergewebe ist auf Bewegung angewiesen, die Bewegungsvorgänge müssen dafür geschützt sein. Der Schutz kann vermindert sein oder wegfallen durch Verletzungen, Fehlanlagen (Achsenfehlstellungen, Skoliose, X-/O-Beine, Knickfuß) sowie durch (vorzeitige) Alterungsvorgänge. Sinnvollerweise ist man in der modernen Medizin daher dazu übergegangen, funktionelle, stützende Verbände wie Tape anzulegen oder Bandagen und Orthesen zu nutzen.

Bandagen und Orthesen:

  • Stützen
  • Korrigieren
  • erlauben funktionelle Bewegungen
  • wirken schmerzlindernd und führen zu mehr Bewegung
  • regen die Muskulatur und Bewegungsvorgänge an
  • erhöhen allgemein die Leistungsfähigkeit

 

Generell wollen wir von Bandagen und Orthesen das negative Image wegnehmen:

„Das schwächt die Muskulatur“.

Diese Einstellung ist falsch und zeugt von Unkenntnis.

Die Information über die sinnvolle Nutzung von Gebrauchsgegenständen im Alltag und Sport gehört bereits zu einer vernünftigen Beratung. Rucksack tragen entlastet teilweise und korrigiert auch Fehlhaltungen auf dem Schulweg wie auch bei Wanderungen. Gehstöcke sind entgegen landläufiger Meinung nicht nur etwas für alte und kranke Leute. Zum Glück hilft die aktuelle Modewelle mit Nordic walking, den Stöcken das negative Image wegzunehmen.

Wer Schmerzen hat, bewegt sich nicht, auf keinen Fall wird er trainieren. Mit einem geeigneten passenden Hilfsmittel kann ein Patient funktionelle Bewegungen geschützt und schmerzarm bis schmerzfrei durchführen. Die beste Stütze für die Wirbelsäule und die Gelenke, die Muskulatur, wird durch die teilweise Mobilisierung gefordert und somit gestärkt.

Kompletten Schutz bietet allerdings keine Orthese geschweige denn eine Bandage. (Untersuchungen mit Eishockeyspielern in USA). Die Information der Patienten und Sportler ist daher extrem wichtig.

Einige Bandagen stimulieren zusätzlich über bestimmte Rezeptorreizung Muskelgruppen direkt. Sie schützen und aktivieren in einem

(Rückenbandagen, Kniebandagen mit Pelotten).

 

Kinder und Jugendliche brauchen weniger orthopädische Hilfsmittel, da in diesem Alter noch nicht verschleißbedingte Indikationen für eine dementsprechende Versorgung vorliegen.

Für sie sind besonders „anregende“ Hilfsmittel geeignet.

Sensomotorische Einlagen regen als „Aktiveinlagen“ die Fußmuskulatur an, verbessern das Gangbild und wirken sich positiv auf alle höheren Gelenke aus.

In unserer Praxis finden bei Kindern besonders Kniebandagen Anwendung. Am häufigsten bei der chondropathia patellae, aber auch Patellaluxation oder lasche Bandführung sind Indikationen.

Bei Bänderrissen und Außenbanddehnungen führen wir erst eine Tapeversorgung durch, dann rascher Übergang zu einer Orthese bei schwerer Verletzung oder Bandagenversorgung bei leichterer Verstauchung wie auch bei chronischen Schwellungen.

 

Überlastungsbeschwerden von Handgelenken, Unterarmen kommen häufig bei jungen Menschen vor, z.B. jungen Müttern:

Keine Gipsversorgung ! Besser: Teilruhigstellung, dadurch Schutz bei der Hausarbeit oder Alltagsarbeit, Umschläge und:

Übungen aus Entlastungshaltung („Training ohne Reue“).

Bei akuten Rückenbeschwerden wie bei chron. Rückenleiden müssen Patienten wieder rasch mobilisiert werden. Sie sind dann „pflegeleichter“, kommen wieder in die Aufrichtung, der Teufelskreis mit dem schonhaltungsbedingten Zusammensacken wird unterbrochen, was auch auf die psychische Verfassung positive Auswirkungen hat.

Schmerzendes Gewebe hemmt die Trainierbarkeit der Muskulatur. Das Erreichen einer schützenden Kraft durch die Muskulatur ist erschwert bis unmöglich. Bei vielen muskel- und bandinsuffizienten Patienten ist Muskeltraining erst mit einem Schutz vor Nervenirritationen, vor schmerzhaften Gelenkfehlstellungen, Bandüberdehnungen, vor reflektorischen Hemmungen möglich. Eine Bandage, Orthese oder ein Mieder kann diesen Schutz bewerkstelligen. Derartige Hilfsmittel sind Gold wert, sie müssen aber richtig eingesetzt werden. Bei vielen chronisch kranken Menschen, besonders aber Patienten mit einer Osteoporose oder aber bereits einer erheblichen Osteoporosegefährdung, sollte ein gewissenhafter Arzt prüfen, ob mit einer speziellen Bandagen- bzw. Orthesenversorgung eine bessere Mobilisierung, ein Aufhalten vorzeitigen Verschleißes und eine Beschwerdelinderung, vielleicht sogar Vermeidung einer operativen Versorgung zu erreichen ist.

Das alleinige in die Hand drücken eines Rezeptes ist eine schlechte Versorgung!

Eine genaue Indikationsstellung ist für eine Hilfsmittelversorgung erforderlich.

Zu jeder Versorgung mit orthopädischen Hilfsmitteln gehört die Anleitung mit dem Umgang sowie eine Information der Patienten:

  • Wann muss ich die Bandage/Orthese anziehen, bzw. tragen (Kompressionsstrümpfe vor dem Aufstehen, direkt nach der Lymphdrainage, nur bei Belastung, immer, nur in Verbindung mit Kompressionsstrümpfen, nachts, im Auto/Flugzeug)?
  • Wie muss ich sie tragen?
  • Wie lange muss ich sie tragen?
  • Wie muss ich mich im täglichen Leben verhalten?
  • Ist Autofahren erlaubt?
  • Welcher Sport ist möglich, bzw. erlaubt?
  • Welches gezieltes Training soll ich ab wann durchführen?
  • Welche Begleittherapie ist sinnvoll? (Salzbäder, Quarkumschläge, Melkfett, Okklusivverbände, Salben, Gel, Schröpfmassagen, Reflextherapie)

Die orthopädische Privatpraxis Velbert arbeitet mit allen Sanitätshäusern zusammen. Der „kurze Weg“ zwischen Sanitätshaus, Krankenkasse und Praxis erleichtert eine professionelle und effektive Versorgung der Patienten. Wichtig für uns ist, dass ein Sanitätshaus verordnete orthopädische Hilfsmittel nicht einfach an Patienten abgibt sondern anpasst, erklärt, wenn es nicht passt, ein anderes probiert oder in Absprache mit uns entsprechend abändert.

Unabdingbar zur Versorgung mit orthopädischen Hilfsmitteln gehören:

Verhaltensmedizinische Maßnahmen.

Das Verhalten im täglichen Leben ist entscheidend für die weitere Prognose. Verhaltensmedizinische Maßnahmen wie die Rückenschule, Knieschule und Schulterschule bewirken eine primäre und sekundäre Prävention. Vorzeitiger Verschleiß und Beschwerden sollen verhindert werden, ein teilweiser Wiederaufbau gefördert werden. Der Patient weiß um seinen Zustand besser Bescheid, er lernt, was sich günstig für seinen Körper und sein Wohlbefinden auswirkt und was nicht.

Patienten, die mehr mitarbeiten, Eigeninitiative entwickeln, sind selbstverantwortlicher und fordern nicht nur passive Maßnahmen von ihren behandelnden Ärzten. Operateure schätzen dies ebenfalls, da sie aus Erfahrung wissen, dass mit solchem Verhalten die Operationsergebnisse besser werden, was wiederum positiv auf Operateur und Klinik zurückfällt.